Was für Vögte auf dem Schloss

Mit dem Band 3 «181 Landvögte auf Schloss Sargans» vervollständigt der Autor Karl Duijts-Kronig den Blick in eine prägende Zeitspanne der Geschichte des Sarganserlandes.

Nicht wie ursprünglich geplant im Bergwerk Gonzen Sargans sondern coronabedingt im kleinen Kreis in der Sarganserländer Druck AG in Mels erfolgte die Herausgabe des letzten Bandes der Landvögtegeschichten. Der Bezug der Landvögte zum Eisenbergwerk wird mehrmals erwähnt. Gemäss Ehrenpräsident Guido Städler, Walenstadt, hatte die Talgemeinschaft Sarganserland-Walensee bereits 2018 das Patronat zugunsten der Herausgabe in drei Bänden übernommen und sich mit der Organisation und dem Sponsoring beschäftigt. Es handle sich um ein regionales Thema mit für das Sarganserland historischer Tragweite.

Den Landvogt nicht verschont

Mathias Bugg, Berschis, Präsident des Historischen Verein Sarganserland, begann seine einführenden Worte mit einem Vergleich der Pestzeit um 1630 und der Cornoazeit heute. Er zitierte Autor Duijts «Ja, die Pest machte 1629 auch vor einem «hochgeachteten, wohledlen und weysen» Landvogt nicht Halt…» Weiter resümierte der Laudator, dass während der Pestzeit einzelne Dörfer fast ausgestorben wären.

Die im «Sarganserländer» regelmässig veröffentlichten Landvögtegeschichten liegen nun in den drei Bänden vor. Mathias Bugg stellte den Bezug zum ursprünglich geplanten Vernissageort her. Bei 15 Vögten seien Angaben zum Eisenbergwerk Gonzen zu finden. Selbstredend sei erwähnt, dass das Bergwerk 1483 für die Eidgenossen ein Hauptgrund zum Kauf des Sarganserlandes war. Über Jahrhunderte wurde wertvoller Rohstoff gefördert und brachte Arbeit für die Menschen im Sarganserland.

Wichtig für die Lokalgeschichte

Die Landvögtebücher seien wichtig, nicht nur im Zusammenhang mit dem Bergwerk, meinte Mathias Bugg. Sie geben Einblicke ins Transportwesen und Zölle, die Nutzung von Allmenden, in die Rechtssprechung, Bussen und Strafen, die Bedeutung des lokalen Militärs bzw. die Landwehr, den Strassenunterhalt, und vor allem das Einziehen obrigkeitlicher Einnahmen auf Zehnten und Zinsen. Zu erkennen ist der Kontakt zwischen Herren und Untertanen oder auch die Beziehungen der Sarganserländer und Sarganserländerinnen untereinander.

Selten aber findet das Privatleben der Landvögte Erwähnung.

Bugg bezeichnete die drei Bände als einen wichtigen Beitrag zur Sarganserländer Geschichtsschreibung in der Zeit zwischen 1460 bis 1798. Sie enthalten Informationen über 338 Jahre in die Tätigkeitsgebiete der Landvögte und damit allgemein in das Funktionieren des politischen Systems. Mathias Bugg schlug die zusätzliche Schaffung eines Registerbandes vor. Der Inhalt eines vierten Bandes könnte sich auf die in den drei Bänden behandelten Themenbereich beziehen.

Eine Herkulesaufgabe

181 Leuten nachzuspüren bezeichnete Bugg als Herkulesaufgabe. Karl Duijts habe grosse Ausdauer bewiesen. Er sprach dem Autor für seine fast zehnjährige Forschungsarbeit grosse Anerkennung aus. Lobend erwähnte er den «Sarganserländer» während Jahren als Plattform für die Textveröffentlichungen sowie die Sarganserländer Druck AG und Gestalter Theo Hobi für die Drucklegung der drei Bände. Grosse Unterstützung erhielt der Autor zudem von der Ortsgemeinde Sargans sowie zahlreichen Sponsoren. Mehrere Historiker unterstützten zudem den Autor kompetent beratend. Die Talgemeinschaft Sarganserland-Walensee unter dem damaligen Präsidenten Guido Städler sah die Buchidee als wichtigen Betrag zur Lokalgeschichte und forcierte die Herausgabe. Mathias Bugg schloss mit der Bemerkung aus einer Landvögteliste zum letzten Vogt Georg Anton Hauser 1978 aus Glarus «ultimus – Deogratias». Demokratie, Freiheit und Menschenrechte haben im neuen Kanton St. Gallen ab 1803 Einzug gehalten.


Noch eine Zusatzvernissage

Karl Duijts-Kronig hat seine mehrjährige Trilogie abgeschlossen und noch ein Thema drauf gesetzt. Zuerst erfasste er die Daten und Taten der 181 Landvögte, so weit es möglich war. Dann stürzte er sich in ein neues Abenteuer, wie er sagt. Er wolle noch eine andere und doch so «landvögtisch angehauchte» Geschichte erzählen. Beim Verfassen der drei Bände fiel ihm auf, wie unwichtig die privaten Angelegenheiten im Leben der Landvögte für die Geschichte gewesen seien. Duijts erwähnt das plötzliche und nirgendwo erklärte Verschwinden eines Vogtes oder das Sterben von gleich drei Mitgliedern der Landvogtfamilie auf dem Schloss. Damals konnte keine Illustrierte darüber berichten. Der Autor erlaubte sich hier in die Bresche zu springen, mit Phantasie, für einen Historiker möglicherweise ein Graus.

Im Rahmen einer Vernissage in der Vernissage präsentierte Karl Duijts auch dieses, sein allerneustes Werk unter dem Titel «Landvogtgeschichten». Am Ende jeder Geschichte steht was wirklich wahr und was dazu erfunden ist. Denn die Texte sind in den historischen Kontext eingewoben. Die Sarganserin Tamara Bizozzero gestaltete zu jeder Geschichte eine Zeichnung und schuf so eine zusätzliche Bereicherung.

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Kleine Vernissage des Landvögtebuch Band 3: (von links) Peter Stutz, Guido Städler, Mathias Bugg. Ruth und Karl Duijts-Kronig sowie Jürg Stopp.
Bild Gian-Luca Volpe