Ausgewogenheit in den Trainingsräumen

Laut Divisionär Bernhard Müller waren 2020 die drei Schweizer Trainingsräume durch die PC-21 zu je einem Drittel gleichmässig belegt.

Die Schweizer Luftwaffe trainiert mit ihren PC-21 in drei Flugräumen in der Ost-, Inner- und Westschweiz. Der Flugraum Speer/Säntis umfasst das Gebiet Sarganserland-Walensee, das Toggenburg und das Appenzellerland. Dabei sind die Sturzflüge oft unüberhörbar.

Eine Initiative der TSW
Darum initiierte 2008 die Talgemeinschaft Sarganserland-Walensee (TSW) unter dem damaligen Präsidenten Guido Städler in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Kommandanten der Ter Div 4 Hans-Ulrich Solenthaler einen Roundtable mit der Luftwaffe. Am Roundtable nehmen neben dem Kommandanten der Luftwaffe, Divisionär Bernhard Müller, sowie dem Kommandanten der Pilotenschule, Oberst i Gst Markus Thöni, zivile Vertreter von Kantonen, Gemeinden und Tourismusorganisationen teil. Die Treffen finden alternierend in den drei erwähnten Flugräumen statt. Für 2020 war Emmen, die Basis der PC-21, vorgesehen. Coronabdingt wurde der Roundtable über Skype abgehalten.

Corona wirkte sich aus
Divisionär Bernhard Müller hielt fest, dass die Belegung der drei Flugräume durch die PC-21, wie in den vergangenen Jahren, etwa zu je einem Drittel erfolgte. Die Flugzeiten waren leicht höher, da wegen Corona keine Auslandtrainings in der Grössenordnung von 36 Stunden möglich waren. Für 2021 werden diese vor allem im benachbarten Frankreich wieder anvisiert.

Konkret listete Divisionär Müller die Belegung bis zum 13. November 2020 auf: Speer/Säntis 126:39 h oder 34.7 Prozent (2019: 99:22 h); Hohgant 120:47 h oder 33.1 Prozent (105:21 h); Chasseral/Jura 117:37 h oder 32.2 Prozent (106:54 h). Die Trainings fanden ausbildungsbedingt vor allem im Frühjahr und Spätherbst statt. Rund 25 Wochen im laufenden Jahr seien PC-21 trainingsfrei gewesen. Dies entspreche etwa einem halben Jahr.

Trainings rückläufig
Laut Divisionär Müller werden 2021 sechs Piloten ausgebildet. 2022 wird mit vier Kandidaten gerechnet. Dies habe eine Verminderung der Trainingsflüge zur Folge. Wie weit sich Corona auf Anwärter von Piloten aus der zivilen Luftfahrt auswirkt, bleibe offen. Ebenso noch nicht abschliessend beantwortet werden konnte die Anfrage von Marcel Benz, Gemeindepräsident Weesen, wie sich die Beschaffung der neuen Kampfflugzeuge auf die Pilotenschulung allgemein auswirken wird. Die Häufung von Anfragen bezüglich Fluglärm im Rahmen der Trainings der Luftwaffe schreibt Divisionär Müller zur Hauptsache den Coronaauswirkungen zu. Abschliessend hielt der Kommandant fest, dass der CO2-Ausstoss der Luftwaffe 0.3 Prozent am allgemeinen Gesamtausstoss beträgt und die Lärmbelastung der Luftfahrt deutlich geringer sei als der Strassen- und Schienenverkehr. Ziel der Luftwaffe bis 2030 seien Reduktionen bei CO2 um 25 Prozent und beim Lärm um 40 Prozent.

Dank Gesprächen erreicht
Der Roundtable konnte dank offenen Gesprächen doch Verbesserungen für den Flugraum Speer/Säntis erreichen. So wurden die Trainingseinheiten schwerpunktmässig im Frühling und Herbst sowie eine Sommerpause angesetzt. Die Belegungen in den drei Schweizer Flugräumen ist ausgeglichener verteilt. Auch innerhalb der Ostschweiz kam es zu einer spürbaren Verteilung. Die Erprobung leiserer Propeller für die PC-21 entsprach leider weder den militärischen noch den zivilen Partnern.

Training im Echtflug notwendig
Gemäss Oberst i Gst Markus Thöni, Kommandant der Pilotenschule, hat die Luftwaffe den Auftrag des Bundes zur Luftraumverteidigung sowie -transporten und folglich auch zur Pilotenausbildung. Diese muss trotz Ausbildung im  Simulator möglichst realitätsnah erfolgen. Geschwindigkeit, Gelände über der Schweiz oder Wetterbedingungen müssen im Echtflug erfahrbar sein. Wegen der geringeren Motorenleistung sind die PC-21 auf tiefere Zonen angewiesen als die F/A-18.

Die jeweils im August beginnende vier Jahre Ausbildung bis zur Brevetierung sei sehr anspruchsvoll, so Oberst i Gst Thöni. Die PC-21 bilden mit ihren effizienten Möglichkeiten eine gute Plattform für die Weiterbildung auf den F/A-18, da die Cockpits kompatibel sind. Folglich müssen auch weniger Flüge mit den Jets erfolgen. Die Sequenzen an den Flugtagen dauern jeweils eine Stunde, aufgeteilt in bis vier Einheiten und im Flugraum Speer/Säntis verteilt zwischen Walensee und Bodensee. Im Bereich Juli/August herrscht gemäss Vereinbarung mit der Region eine sechswöchige Trainingspause. Festzuhalten ist, dass auch andere Flugzeugtypen in den Flugräumen trainieren.

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Dank Cockpitkompatibilität: Das Training im PC-21 (unten) als beste Vorstufe für den Einsatz im F/A-18.
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